Der richtige Zeitpunkt

„Zum richtigen Zeitpunkt, in der richtigen Reihenfolge, das Richtige tun.“

Dies ist eine Gesetzmäßigkeit für eine gute Entwicklung.

Erstaunlicherweise werden diese Weisheiten in Coaching Seminaren oder Businessfortbildungen verbreitet, in der Entwicklung von Kindern jedoch häufig nicht wirklich ernst genommen.

An dieser Stelle leben wir nach dem „das wächst sich noch aus Prinzip“.

Dafür muss man zuerst wissen, was mit dem richtigen Zeitpunkt gemeint ist. Es gibt für alles in der Entwicklung einen optimalen Zeitpunkt. In diesen Momenten ist unser Körpersystem dann besonders sensibel Neues zu lernen, bzw. den nächsten motorischen Lernschritt zu absolvieren. Hinzu kommt: Wenn ich etwas zum ersten Mal erlebe, ausprobiere oder gezeigt bekomme, der Reiz des Neuen zusätzlich dabei hilft, aufnahmefähig zu sein. Es ist spannend Neues zu entdecken. Unser Gehirn freut sich also über die Aussicht auf neue Synapsen. Und wenn mir etwas begegnet, dass ich wirklich noch nie gesehen, gehört oder gefühlt habe, ist die Neugierde besonders groß. So geht es Deinem Baby fast täglich. Nie wieder lernt das Kind so viel wie im ersten Lebensjahr! Für die Motorik, also das Bewegungslernen, bedeutet dies, es werden neue Bewegungen ausprobiert und dann immer mehr verfeinert. Automatisierung sagt man im Fachjargon dazu. Es gibt hier jetzt eine riesengroße Chance:

Lernt Euer Baby sofort die optimale Variante, dann hat es die Variante gewählt, die auf Dauer am stabilsten ist! Danach suchen wir Menschen immer automatisch. In dem Moment, in dem etwas genauso funktioniert wie wir es geplant haben, jubeln wir innerlich auf! Für diesen Moment lernen wir! Das nennt man dann Referenzerfahrung. Es sind die „Tschacka! -“, „Strike! -“, „Fertig! -“ oder „Hurrah! -“ Momente! Unser kleines Baby versucht ständig so einen Moment zu produzieren. Wenn es dann so 6-8 Wochen alt ist, kommt das soziale Lächeln dazu. D.h. das bewusste Lächeln, meistens bei Augenkontakt mit den Eltern.

Was ist denn der erste wichtige motorische Moment? Was glaubt Ihr?

Es ist der sogenannte „Pupillenkontakt“! Das ist die erste motorische Steuerung der Augen, direkt nach der Entbindung. Das Baby „sucht“ die Pupillen der Mutter und die Mutter die Pupillen des Babys. Und dann gibt es einen einzigartigen Moment der Bindung. Hebammen sprechen auch von Bonding. Dazu gehört die gesamte Situation, wenn sich Eltern und Baby zum ersten Mal wahrnehmen.

Mit diesem besonderen Augenkontakt beginnt die spätere Fähigkeit seine Augen gut und präzise steuern zu können. Unglaublich, oder?! Als ich das zum ersten Mal gehört habe, dachte ich: „Na toll… Das hätte mir ja mal jemand sagen können.“ Das Wunderbare hierbei ist, dass der Zug nicht abgefahren ist, wenn man diesen Moment direkt nach der Geburt verpasst hat. Wir können mit unserem Baby über den Pupillenkontakt auch später intensiv in den Kontakt kommen und üben damit die zuerst das Fokussieren und dann die Augenmotorik. Das Ganze verbindet Eltern und Baby und bildet gleichzeitig die Grundlage für die Fähigkeit, später im sozialen Miteinander, den Blickkontakt zu halten!

Es gibt dabei eine sehr wichtige Fähigkeit, man nennt sie die Okulo- orale Einstellreaktion (nach Pörnbacher). Hierbei verbindet das Baby das Greifen eines Gegenstandes mit dem gezielten Blick darauf und gleichzeitigem vorschieben der Lippen, es macht sozusagen eine „Schnute“. Sinn und Zweck dieser Bewegung ist das Fokussieren zu lernen, also die Augen auf einer Stelle zu halten. Dies ist der Vorläufer und gleichzeitig die Basis für sämtliche Augenbewegungen und vor allem für die Steuerung des eigenen Willens. Habe ich meine Augenbewegungen nicht selber unter Kontrolle, dann kann ich meinen eigenen Willen auch nur mühsam steuern. Wir alle kennen Kinder, die keinen Blickkontakt halten können. Sie schauen bei Begrüßungen weg und sind ausgesprochen anstrengend im Umgang. Sie sind außerdem abgelenkt, können sich nur kurz konzentrieren und sind immer nur kurz im Kontakt.

Die visuelle Fähigkeit im Blickkontakt zu bleiben, beginnen wir als Baby zu entwickeln. Je besser es hier schon gelingt, umso zugewandter und fröhlicher sind auch die Babys. Und je unsicherer die Augen gesteuert werden können, umso unsicherer sind die Babys im Kontakt. Ich habe wirklich viele Mütter und Väter erlebt, die sich sehr abgelehnt gefühlt haben. Sie dachten, sie machen grundsätzlich etwas falsch. Ihr Baby hatte entweder eine grundsätzliche Gleichgültigkeit im Kontakt, reagierte mit Weinen auf unbekannte Personen oder was besonders schlimm war, auf den Vater. Lernten sie dann ihre Augen zu steuern, wurde das sofort anders.

Babys haben ja den großen Vorteil, dass sie wirklich alles zum ersten Mal machen: das Richtige, in der richtigen Reihenfolge, zum richtigen Zeitpunkt, also optimale Voraussetzungen!

Ich habe in der Praxis immer und immer wieder Defizite aus dieser Entwicklungszeit mit den Kindern „nachgeholt“.

In den ersten zwei Lebensjahren entwickelt sich auch die so wichtige Wahrnehmung für die eigene Körpermitte. Durch das Durchstrecken in der Bauchlage ab der 8. Lebenswoche Der Handstütz bildet z.B. die Grundlage für die spätere Fähigkeit den Stift zu halten. Außerdem integriere ich als Baby die sogenannten frühkindlichen Reflexe. (Darüber könnte ich stundenlang berichten, aber das an anderer Stelle…)

Es ist somit für unsere Kinder von großer Bedeutung, dass wir in Bezug auf die Aufrichtungsphase, bis zum freien Laufen, die „Das-wächst-sich-aus-Idee“ überdenken. Niemand würde ein Haus bauen und sich damit beruhigen, dass man das Fundament ja auch noch in ein paar Jahren nachholen kann.

Die ersten zwei Jahre sind unser Fundament! Darauf baut sich alles andere auf. Ich habe das selber als Mutter erlebt und als Therapeutin viele Jahre versucht zu korrigieren. Letztendlich hat der Satz der Eltern: „Hätten wir das bloß vorher gewusst!“ dazu geführt, den „Entwicklungskoffer“ zu entwickeln.

Mit dem Entwicklungskoffer könnt Ihr, gemeinsam mit Euren Babys, Eure gemeinsame Reise auf dieser Welt beginnen. Die Augenmotorik wird ganz gezielt und sehr effektiv gefördert, mit viel Leichtigkeit und Spaß.

„Strahlende Kinderaugen schenken Dir Glücksmomente – mit Geld nicht zu bezahlen und mit Gold nicht aufzuwiegen.“

U. Schachschneide